Hodenhochstand

Dein Sohn kam mit Hodenhochstand auf die Welt? Keine Sorge, das kann heutzutage bei Babys sehr gut behandelt werden. Was genau Hodenhochstand ist, wie die Behandlung aussieht und ob dein Sohn in seinem Leben dadurch irgendwie beeinträchtigt wird, erfährst du in diesem Artikel.

 

Was ist ein Hodenhochstand?

Vereinfacht kann man sagen: einer oder beide Hoden deines Sohnes befindet sich nicht dort, wo sie sein sollte. Anstatt im Hodensack liegen sie entweder im Bauchraum oder im Leistenkanal. Man spricht dann von einer Lageanomalie, der lateinische Fachbegriff  lautet „Maldescensus Testis“.

Es gibt zwei grundsätzliche Varianten einer solchen Lageanomalie.

Sekundärer Hodenhochstand

Hodenhochstand und seine Folgen.

Hodenhochstand und seine Folgen.

Hierbei befindet sich der Hoden – auch Testikel genannt – zunächst im Hodensack und wandert erst im Laufe der Zeit an die falsche Position. Dass dies passiert, ist relativ selten. Weitaus häufiger ist die zweite Variante.

 

Primärer Hodenhochstand

Liegt dieser bei deinem Jungen vor, so liegt der Hoden deines Sohnes schon bei der Geburt nicht im Skrotum, dem Hodensack. Diese Lageanomalie ist direkt nach der Geburt feststellbar und kann daher auch schnell von den Ärzten behoben werden.

 

Hodenhochstand – Welche Formen gibt es?

Ein primäter Hodenhochstand kann in verschiedenen Variationen vorkommen. Das Wort an sich bedeutet zunächst einmal nur, dass sich der Hoden nicht im Skrotum befindet.

Der Hoden eines Jungen wächst während der Schwangerschaft in seinem Bauch heran. Erreicht der Fötus eine gewisse Reife, wandert der Hoden langsam in den Hodensack. Ausgelöst wird dies durch Hormone, die eine Mutter während der Schwangerschaft produziert. Bleibt der Hoden auf dem Weg vom Bauchraum zum Hoden irgendwo „stecken“, stimmt die Lage bei der Geburt nicht.

Je nachdem, wo der Hoden sein Abwandern unterbricht, werden verschiedene Begriffe für den Hodenhochstand verwendet.

 

Leistenhoden

Der Hoden ist beim Abstieg aus dem Bauchraum im Leistenkanal zur Ruhe gekommen. Hier ist eigentlich kein Platz vorhanden.  Der lateinische Begriff für einen Leistenhoden lautet „Retentio testis inguinalis“.

 

Gleithoden

Auch bei Gleithoden befindet sich das gute Stück im Leistenkanal. Er steckt jedoch nicht fest, sondern lässt sich mit etwas Druck in den Hoden schieben. Wenn der Samenstrang des Jungen zu kurz ist, gleitet der Hoden direkt wieder an in den Leistenkanal zurück. Daher der Begriff Gleithoden.

 

Pendelhoden

Ein Pendelhoden liegt vor, wenn der Hoden sich zwischen Skrotum und Leistenkanal hin und her bewegt. In entspannter Lage deines Babys ist er somit im Hodensack tastbar. Äußere Reize wie Erregung, Kälte oder Berührung führen dazu, dass ein Muskel im Schambereich, der sogenannte Hodenheber, reagiert und den Hoden in den Leistenkanal zieht. Ein Pendelhoden stellt keine Gefahr für die Fruchtbarkeit deines Sohnes dar und muss auch nicht unbedingt behandelt werden. Jedoch ist eine Unterscheidung zwischen Pendelhoden und Leistenhoden schwierig. Beobachte deinen Sohn gut, denn oft muss sich der Kinderarzt auf die Angaben der Eltern verlassen, ob der Testikel am richtigen Platz ertastet wurde.

 

Hodenektopie

Bei der Hodenektopie stimmt gar nichts. Der Hoden befindet sich weder im Bauchraum, noch dem Leistenkanal, noch im Hodensack. Er kann sogar im Bereich des Oberschenkels liegen.

 

Anorchie

Bei der Anorchie handelt es sich streng genommen nicht um eine Lageanomalie des Hoden, sondern um dessen komplettes Fehlen. Der Hoden wurde bei der Entwicklung des Fötus in der Schwangerschaft nicht angelegt und ist nicht gewachsen. Eine Anorchie kann nicht behandelt werden, da kein Testikel zum Behandeln vorhanden ist.

 

Schlupfhoden

Schlupfhoden“ ist kein ofizieller Begriff und wird in der Medizin nicht verwendet. Er hat sich nur umgangssprachlich für „weggeschlupfte“ Hoden eingebürgert. Zumeist handelt es sich dabei um Pendelhoden. Kommen die Schlupfhoden nicht wieder in den Hodensack zurück, kann auch ein sekundärer Hodenhochstand vorliegen. Verfalle bitte nicht in Panik, wenn du die vorher vorhandenen Hoden deines Sohnes beim Baden oder eincremen plötzlich nicht mehr ertasten kannst. Sie sind nicht verschwunden, nur weggeschlupft. Schlupfhoden sollten vom Kinderarzt abgeklärt werden.

 

Hodenhochstand – Was sind die Ursachen?

Die Risiken und Ursachen, die zu Hodenhochstand führen können, sind unterschiedlich.

Zum einen scheint eine genetische Veranlagung das Risiko zu erhöhen. Aber auch anatomische Fehlbildungen wie das Prune-belly-Syndrom, Gastroschisis oder Omphalozele erhöhen das Risiko, dass der Hodensack deines Sohnes bei der Geburt leer ist. Diese Krankheiten können den Abstieg des Hodens ins Skrotum behindern und so einen Hodenhochstand verursachen.

Äußere Ursachen können das Risiko für eine Lageanomalie der Hoden ebenfalls erhöhen. Hierzu zählen im Grunde alle Einflüsse, die „nicht gut“ für den Körper sind und den Embryo somit bei der natürlichen Entwicklung stören. Vermeidest du diese schädlichen Einflüsse in der Schwangerschaft, verringerst du das Risiko einer Fehlbildung. Dazu gehören unter anderem

  • Alkohol in der Schwangerschaft
  • Rauchen in der Schwangerschaft
  • Diabeteserkrankung der Mutter und
  • Gifte.

Zu den Giften zählen Pestizide und alle anderen körperschädlichen Giftstoffe.

Ist Hodenhochstand selten?

Ja und nein. Im Bereich der Genitalien ist der primäre Hodenhochstand die häufigste Fehlbildung, die bei Neugeborenen auftritt. Insgesamt kommt er aber nur bei etwa ein bis drei Prozent der Jungen vor. Eine Ausnahme bilden hier Frühchen, da diese in ihrer körperlichen Entwicklung bei der Geburt noch nicht ausgereift sind. Bei Frühgeborenen kommt die Lageanomalie des Hoden bei rund 30 Prozent der Jungen vor.

Der sekundäre Hodenhochstand entwickelt sich sogar nur bei etwa 1,5 Prozent der männlichen Säuglinge.

 

Woran erkennt man einen Hodenhochstand?

Es gibt verschiedene Untersuchungen, mit denen die Position eines Hoden bestimmt werden kann. Eine davon ist das Ertasten. Ist ein Hoden hierbei nicht auffindbar, so spricht man von einer Lageanomalie des Hoden, dem sogenannten „Kryptorchismus“ – egal, ob der Hoden an falscher Position oder vielleicht sogar gar nicht vorhanden ist. Hodenhochstand ist daher zunächst einmal ein Kryptorchismus, aber nicht jeder Kryptorchismus ist ein Hodenhochstand. Es gibt verschiedene Formen der Lageanomalie: Der Hoden kann sich im Bauchraum oder dem Leistenkanal befinden. Es gibt sogenannte Pendelhoden und Wanderhoden.

 

Bildgebende Suchverfahren

Findet der Arzt den Hoden deines Babys beim Ertasten weder im Skrotum, noch in der Leiste, wird er mit einem Ultraschall im Bauchraum nach ihm suchen. Auch ein MRT (Magnetresonanztomographie) ist hierfür geeignet.

Ein MRT kann den vermissten Hoden aufspüren

Ein MRT kann den vermissten Hoden aufspüren

Bleibt der Hoden mit beiden Untersuchungsmethoden nicht auffindbar, wird der Arzt einen Bluttest anordnen, bei dem nach dem Botenstoff Testosteron gesucht wird. Da dieses Hormon nur im Hoden hergestellt wird, kann festgestellt werden, ob er nur verrutscht oder eventuell gar nicht vorhanden ist.

 

Auswirkungen eines Hodenhochstandes

 

Welche Symptome gibt es?

Außer, dass ein Hoden nicht an der richtigen Stelle liegt, wird dein Junge am Anfang keine Symptome bei einer Lageanomalie zeigen. Bei Neugeborenen löst ein Kryptorchismus weder Schmerzen, noch hormonelle Störungen aus. Bleibt die Fehlbildung jedoch unbehandelt, kann es im weiteren Lebensverlauf zu unterschiedlichen Problemen kommen.

 

Spätfolgen von Hodenhochstand

Der Hoden ist ein empfindliches Körperteil, daher können auch bei einer frühzeitigen Behandlung Spätfolgen auftreten:

Unfruchtbarkeit

Die Lage des Hoden im Hodensack ist eine einfache Maßnahme der Natur, diese empfindlichen Körperteile kühl zu halten. Eine zu hohe Temperatur schädigt auf Dauer die Samenzellen und führt zur Unfruchtbarkeit des Mannes. Eine Ideale Temperatur liegt bei 33 Grad Celsius. Im Körper ist die Temperatur etwa zwei bis vier Grad höher. Um einer Unfruchtbarkeit vorzubeugen, sollte der Hoden daher bereits im Säuglingsalter wieder ins Skrotum zurückgeführt werden.

Hodenkrebs

Zusätzlich steigt das Risiko für Hodenkrebs an, da die hohen Temperaturen und eine eventuelle Quetschung das Gewebe stark belasten. Selbst nach der Behandlung ist das Risiko bis zu achtmal so hoch wie bei „gesunden“ Männern. Ohne Behandlung besteht sogar ein rund 30 Prozent höheres Risiko.

Leistenbruch

Auch wenn der Hoden kein Fremdkörper an sich ist, so hat er in der Leiste oder im Bauchraum nichts zu suchen. Er hat dort keinen Platz und drückt sich daher ins vorhandene Gewebe im Leistenkanal deines Sohnes. Durch eine Lageanomalie des Hoden entstehen dadurch Schwachstellen im Gewebe. Geben diese irgendwann nach, können die Eingeweide im Bauchraum verrutschen und der Darm sich in die Leiste drücken. Man spricht dann von einem Leistenbruch. Dieser ist zunächst schmerzfrei, kann aber zu schweren körperlichen Problemen führen, wenn die Durchblutung des Darms beeinträchtigt wird. Ein Leistenbruch sollte daher schnellstmöglich behoben werden.

Dein Sohn hat bei einem Hodenhochstand keine Schmerzen

Dein Sohn hat bei einem Hodenhochstand keine Schmerzen

Hodendrehung

Durch die falsche Lage des Hodens kann dieser sich drehen und den Samenstrang, sowie die Blutzufuhr abschnüren. Diese sogenannte Torsion kann zu einer Unterversorgung des Hoden mit Blut führen, wodurch dieser abstirbt. Auch eine Hodendrehung muss so schnell wie möglich behandelt werden.

 

Psychische Probleme durch Hodenhochstand

Aus deinem kleinen Jungen wird irgendwann ein Mann werden. Wenn dein Sohn in die Pubertät kommt, muss er seinen Körper komplett neu kennenlernen, alles verändert sich. Für einige Jungen ist es dann verstörend, wenn ihr Körper „nicht komplett“ ist und sie sich damit von anderen unterscheiden. Daher sind psychische Probleme bei Nicht-Behandlung eines Hodenhochstandes eine häufige Spätfolge.

 

Behandlung Hodenhochstand

Wie kann deinem Sohn bei geholfen werden?

Damit der Hodenhochstand (Maldescensus Testis) nicht zu Komplikationen und Spätfolgen führt, sollte er bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres behandelt werden. Da der Hoden in den ersten sechs Monaten noch selbstständig an in das Skrotum wandern kann, wird dein Sohn in dieser Zeit erst einmal beobachtet. Oft behebt sich die Lageanomalie in diesem Zeitraum auf natürlichem Weg.

 

Hormonelle Therapie bei Hodenhochstand (Maldescensus Testis)

Der Arzt kann deinen Jungen mit einer Hormontherapie behandeln. Die Hormone HCG und GnRH werden auch in der Schwangerschaft von der Mutter produziert. Sie verlängern quasi die Reifephase deines Sohnes und können den Hodenabstieg in den Hodensack somit auslösen. HCG gibt es als Spritze, während GnRH per Nasenspray verabreicht werden kann.

Nebenwirkungen einer Hormontherapie

Aber Vorsicht, da dein Sohn diese Hormone nicht auf natürlichem Weg produziert und sie daher nicht zu seinem Körper passen, kann die Hormonbehandlung schwere Nebenwirkungen auslösen. Einigen Säuglingen wachsen zum Beispiel Schamhaare oder sie bekommen Schmerzen im Genitalbereich. Auch eine Größenveränderung des Penis ist als Nebenwirkung bekannt. Die Belastung für den Körper deines Sohnes ist immens hoch.

Der Nutzen einer Hormontherapie bei Hodenhochstand in Anbetracht der Nebenwirkungen eher gering. Nur bei rund zwanzig Prozent der Jungen führt die Hormontherapie zu einem Abwandern der Hoden, das ist gerade einmal jeder fünfte. Eine OP zur Behebung der Lageanomalie ist dann meistens trotzdem notwendig. Ob eine Hormontherapie daher sinnvoll ist, kannst du mit deinem Arzt ausführlich besprechen.

 

Operative Behebung eines Hodenhochstandes

Der Arzt möchte den Hodenhochstand mit einer Operation beheben? Bei einer OP sind die Erfolgschancen sehr gut. Es gibt zwei verschiedene Operationsvarianten bei einer Lageanomalie, der Arzt wird die sinnvollste auswählen, um deinem Sohn zu helfen.

Offene OP

Die OP kann „offen“ durchgeführt werden. Dabei wird der Arzt einen Schnitt in der Bauchfalte deines Jungen machen. Er legt den falsch liegenden Hoden samt Samenstrang frei und verlagert ihn in den Hodensack. Diese Operationstechnik hat sich über lange Zeit bewährt, wurde jedoch inzwischen von einer einfacheren und weniger belastenden Variante abgelöst.

Trotz Hodenhochstand kann dein Sohn ein vollwertiger Mann werden

Trotz Hodenhochstand kann dein Sohn ein vollwertiger Mann werden

Laparoskopische OP

Der Arzt wird bei der Besprechung der laparoskopischen Hodenhochstands-OP den Begriff „minimal-invasiv“ verwenden. Das bedeutet, dass bei dem Eingriff so wenig Gewebe wie möglich durch Schnitte beschädigt wird. Der Körper deines Babys wird dadurch sehr viel weniger belastet als bei einer offenen OP. Es entstehen kaum körperliche Wunden, wenn der Arzt den Hoden deines Sohnes in den Hodensack verlegt. Oft bleiben nur winzige Narben, die sich im Laufe der Jahre fast komplett verwachsen können. Insgesamt verheilen die Wunden einer laparoskopischen OP schneller als bei einer offenen OP, da sie viel kleiner und feiner sind.

 

Risiken einer Hodenhochstands-OP

Natürlich sind mit jeder Operation auch Risiken verbunden. Ärzte sind auch nur Menschen und jeder Körper reagiert auf eine Narkose und den Eingriff anders. Da diese Fehlbildung bei Jungs jedoch relativ häufig vorkommt, werden auch die OPs oft durchgeführt. Die Ärzte haben also Erfahrung und wissen genau, was sie tun.

Vor einer solchen OP werden der Arzt und auch der Anästhesist sich mit dir unterhalten und dir alle Risiken erklären. Wenn dann noch Fragen offen sind, scheue dich nicht, sie ihnen zu stellen. Begriffe wie Hoden oder Hodensack brauchen dir dabei nicht peinlich sein.

Insgesamt verlaufen rund 90 Prozent aller Hodenhochstand-OPs erfolgreich und dein kleiner Junge kann danach zu einem gesunden Mann heranwachsen.

 

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Ein Hodenhochstand kann schwere Komplikationen nach sich ziehen. Erfahre, was Hodenhochstand genau ist und wie er behandelt wird.
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