Pseudokrupp – Definition und Information

von | Sep 30, 2019

Bei Pseudokrupp handelt es sich um eine durch Viren ausgelöste Kehlkopfentzündung. Bei Babys und Kleinkindern kann die damit verbundene Schwellung der Atemwege zu Atemnot und trockenem, bellenden Husten, dem sogenannten Krupphusten, führen.

Was ist Pseudokrupp?

Pseudokrupp wird von den Medizinern „akute stenosierende Laryngotracheitis“ oder auch „Laryngitis subglottica“ genannt. Im Volksmund haben sich leichtere Bezeichnungen durchgesetzt, zum Beispiel:

  • falscher Krupp
  • Krupp-Syndrom
  • Krupphusten
  • Pseudokrupp-Anfall und
  • Kruppanfall

Alle Bezeichnungen beschreiben eine zunächst nicht näher bestimmte Erkrankung der Atemwege im Bereich des Kehlkopfes, unterhalb der sogenannten Stimmritze. Einfach erklärt handelt es sich bei Pseudokrupp um eine Kehlkopfentzündung.

Wann kommt Pseudokrupp vor?

Zumeist erkranken Kinder im Herbst und Winter. Die kalte Winterluft sowie warme Heizungsluft in den Räumen lassen die Schleimhäute austrocknen und machen sie so empfänglicher für eine Infektion. Babys und Kleinkinder erkranken in der Regel ein- bis zweimal in ihrem Leben an Pseudokrupp, Jungen sind zumeist anfälliger als Mädchen. Diese Anfälle sind Folge einer normalen Grippe oder einer anderen Erkrankung, die die Atemwege belastet.

Viele Eltern beklagen jedoch einen eher chronischen Verlauf, bei denen das Kind mehrmals im Monat und über mehrere Jahre an Kruppanfällen leidet. Die meisten Eltern betroffener Kinder haben eine umfangreiche Hausapotheke allein zum Thema Krupp angelegt.

Oft kommt es in den Nachtstunden zu einem Anfall, da der Cortisolspiegel in dieser Zeitspanne sehr niedrig ist. Cortisol ist jedoch ein stark entzündungshemmendes Hormon und mindert die Intensität des Anfalls tagsüber ab.

Pseudokrupp ist nicht vererbbar. Ist jedoch in der Familie eine Neigung zu Atemwegsinfekten vorhanden oder treten vermehrt Allergien auf, ist das Risiko erhöht.

 

 

Pseudokrupp oder Krupp?

Pseudokrupp oder Krupp? Was ist der Unterschied?

Umgangssprachlich wird Pseudokrupp oft nur Krupp genannt. So ganz richtig ist das aber nicht, denn der „echte Krupp“ hat andere Ursachen.

Echter Krupp

Echter Krupp wird durch Diphterie ausgelöst, bei der Bakterien eine akute Entzündung des Kehlkopfs verursachen. Diphterie ist lebensgefährlich, deshalb wird dein Kind bereits im Säuglingsalter dagegen geimpft. Seit es umfassende Impfungen gibt ist die Gefahr, an Diphterie zu erkranken, rapide gesunken. Ein „echter Kruppanfall“ ist daher sehr selten. Der Begriff „Krupp“ hat sich als Synonym für Pseudokrupp durchsetzt.

Ursachen von Pseudokrupp

Woher kommt Pseudokrupp?

Krupphusten tritt als Begleiterscheinung von Viruserkrankungen auf und betrifft den Kehlkopf (Larynx) und die Luftröhre (Trachea). Anfällig sind vor allem Babys und Kleinkinder bis zu einem Alter von sechs Jahren. Der Grund für die Anfälligkeit in den ersten Lebensjahren ist Schwellung der Atemwege, die durch Pseudokrupp ausgelöst wird. Bei älteren Kinder und Erwachsenen sind die Atemwege bereits größer und daher weniger anfällig für Krupp.

Charakteristisches Symptom für einen Kruppanfall ist ein trockener, blechernder Husten, meist verbunden mit Atemnot. Diese entsteht in Folge anschwellender Schleimhäute im Hals-, Nasen- und Rachenraum sowie auftretenden Muskelkrämpfen (Spasmen) im unteren Ausgangsbereich des Kehlkopfes und oberen Bereich der Luftröhre.

Welche Krankheiten lösen Kruppanfälle aus?

Die Bezeichnung Pseudokrupp steht eigentlich für „falsche Kehlkopfentzündung“ oder „unechte Kehlkopfentzündung“. Es handelt es sich fast immer um eine Viruserkrankung, wodurch die Behandlung mit Antibiotika nicht anschlägt. Hauptauslöser sind verschiedene Erkältungsviren, die eine Kehlkopfentzündung auslösen. Pseudokrupp tritt daher meistens in Kombination mit einer Erkältung oder Grippe auf. Oft hängen Kruppanfälle auch mit folgende Erkältungsviren zusammen:

  • Parainfluenza-Viren
  • Influenza A
  • Influenza B
  • RS-Viren
  • Rhinoviren
  • Adenoviren
  • Metapneumoviren

Aber auch andere, weitaus schwerere Krankheiten können Krupphusten auslösen, so zum Beispiel

  • Masern
  • Windpocken
  • Herpes-simplex und
  • Epstein-Barr
Pseudokrupp - Verlauf

Wie verläuft ein Kruppanfall?

Da Krupphusten im Zuge einer Erkältung auftritt, zeigen sich zunächst Symptome wie Schnupfen und Husten. Dieser wird jedoch zunehmend anfallsartiger, trockener und bellender. Oft tritt auch Atemnot auf. Die Lippen und Fingerspitzen deines Kindes können sich aufgrund des Sauerstoffmangels bläulich verfärben, der Puls und die Atemfrequenz steigen.

Dein Kind empfindet während eines Anfalls große Angst. Dadurch verschlimmern sich die akuten Symptome. Zudem können pfeifende Atemgeräusche, Heiserkeit, Fieber und infolgedessen eine große Schwäche und ein starkes Krankheitsgefühl auftreten. Zusätzlich können in den Zwischenräumen der Rippen kleine Einziehungen sichtbar werden.

Wie lang geht ein Kruppanfall?

Der Kruppanfall selbst kann von wenigen Sekunden (nur Husten) bis zu mehreren Minuten gehen. Je länger er andauert, umso eher ist eine Behandlung durch einen Arzt notwendig.

Pseudokrupp an sich heilt in der Regel in wenigen Tagen von selbst aus. Nur sehr selten ist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus notwendig. Nach dem fünften Lebensjahr ist ein erneutes Auftreten eher unwahrscheinlich. Anfälliger für einen Krupphusten sind Kinder mit Asthma. Erkrankt dein Kind infolge von bestehenden Allergien vermehrt an diesem bellenden Husten, spricht man von spastischem Krupphusten.

Welche zusätzlichen Risiken bestehen?

Bei Baby und Kleinkind sind die Atemwege enger als bei älteren Kindern. Wenn dein Kind einen starken, anfallsartigen Husten oder Atemnot sowie erste Bewusstseinstrübungen zeigt, solltest du umgehend den Kinderarzt aufsuchen oder die Rettungsleitstelle kontaktieren. Wichtig ist, dass der Arzt eine eine zum Teil lebensbedrohliche Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) auszuschlisst. Sollten Medikamente verabreicht werden, können diese jedoch Nebenwirkungen verursachen.

Pseudokrupp erkennen nach Westley-Score

Pseudokrupp erkennen – Was macht der Arzt?

Der Kinderarzt wird dich nach einem Kruppanfall deines Kindes zunächst nach der Art und Dauer der Hustenanfälle befragen und weitere Symptome abklären. Anschließend ordnet er die Anzeichen genau zu und bestimmt den Schweregrad des Pseudokrupps. Hierfür verwendet er den sogenannten Wesley-Score.

Westley-Score – Wie schwer ist der Kruppanfall?

Der Westley-Score bestimmt den Schweregrad einer Krupperkrankung. Der Arzt ordnet den verschiedenen Symptomen Punkte zu, je nach Anzahl der Punkte ist der Kruppanfall einzuordnen. Bewertet wird die Stärke der folgenden Symptome:

  • Atemgeräusche (Stridor)
  • Einziehungen der Haut
  • Atemnot (Ventilation)
  • Blaufärbung der Lippen und Fingernägel (Zyanose)
  • Bewusstseinsstörungen

Die Summe der Punkte im Westley-Score bestimmt bei Pseudokrupp den Schweregrad.

Pseudokrupp Schweregrad 1 (0-2 Punkte): Milder Pseudokrupp
Die Symptome sind Heiserkeit und ein milder Husten. Beim Einatmen und bei Bewegung sind leichte Atemgeräusche feststellbar.

Pseudokrupp Schweregrad 2 (3-5 Punkte): Moderater Pseudokrupp
Trockener, etwas stärkerer Husten und leichte Einziehungen der Muskeln am Hals. Dazu sind bereits im Ruhezustand leichte Atemgeräusche und eine beginnende Atemnot erkennbar.

Pseudokrupp Schweregrad 3: Schwerer Pseudokrupp
Starker, bellender Husten, dazu eine deutliche Atemnot im Ruhezustand, erhöhte Herzfrequenz und Blässe. Dazu sichtbares Einziehen der Haut am Brustkorb.

Pseudokrupp Schweregrad 4: Lebensgefahr durch Atemstillstand
Starke Atemnot mit Gefahr der Erstickung. Der Sauerstoffmangel (Hypoxie) zeigt sich durch Blaufärbung der Fingernägel und Lippen, Schläfrigkeit, es besteht Erstickungsgefahr. Der Puls ist verlangsamt, die Wahrnehmung der Umwelt gestört (Bewusstseinsstörung).

Schweregrad Pseudokrupp nach Westley-Score

Schweregrad Pseudokrupp nach Westley-Score

 

Diese Skala definiert einen milden, moderaten oder schweren Pseudokrupp. Die schwere Verlaufsform wird stationär im Krankenhaus behandelt, tritt aber zum Glück nur sehr selten auf.
Weiterhin muss der Arzt eine gefährliche Kehldeckelentzündung ausschließen. Ein Rachenabstrich gibt Auskunft über eine mögliche bakterielle Infektion. Sollte die Diagnose weiterhin unsicher sein, wird ein Röntgen des Brustkorbes (Thorax Röntgen) angeordnet.

Pseudokrupp vorbeugen

Pseudokrupp vorbeugen – Tipps zur Prophylaxe

Gut belüftete Räume, wenig Luftverschmutzung durch Nikotin oder Straßenverkehr stellen die beste Vorbeugung dar. Auch ein stabiles Immunsystem ist ein großer Schutz gegen Viren und Bakterien. Kinder sollten oft an der frischen Luft spielen und auch in der kalten oder nassen Jahreszeit draußen sein. Eine vielseitige, vitaminreiche Ernährung stärkt ebenso den kindlichen Organismus.

Trinken, Trinken, Trinken!

Trinken ist wichtig! Mit viel Flüssigkeit bleiben die Schleimhäute feucht und können Erreger abwehren. Zudem wird das Husten nicht so schmerzhaft. Wie viel dein Kind trinken sollte, erfährst du in unserem Artikl über den Flüssigkeitsbedarf deines Kindes.

Luftbefeuchter beugen Pseudokrupp vor

Und bei Erwachsenen?

Auch Erwachsene können erkranken. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch sehr gering, da der Kehlkopf ausgewachsen ist und eine Anschwellung keine Atemnot erzeugt. Zumeist handelt es sich um leichte Verläufe, die zu Hause behandelt werden können.

Ist Pseudokrupp ansteckend?

Die meisten der Erreger, die Pseudokrupp auslösen, werden über die sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen. Das heißt, dass dein Kind beim Husten, Atmen und sogar beim Sprechen feinste Speicheltropfen in der Luft verteilt. Diese Tropfen enthalten die Viren, an denen dein Kind erkrankt ist. Da sich die Viren über die Luft verteilen, sind auch Kleidungsstücke, Spielsachen und andere Gegenstände mit dem Virus konterminiert. Ein Mensch fasst sich in der Stunde rund 15 mal ins Gesicht, oft unbewusst, daher gelangen die Viren schnell in die eigenen Schleimhäute.

Die Krankheit „Pseudokrupp“ an sich ist nicht ansteckend. Sie wird jedoch meistens durch andere Erkrankungen ausgelöst. Mit den verantwortlichen Viren können sich andere Menschen anstecken und – je nach Krankheitsverlauf – auch an der Folgeerkrankung Krupphusten erkranken.

 

Wie lang ist Pseudokrupp ansteckend?

Die Ansteckungsgefahr mit Viren ist nicht nur beim Husten gegeben. Du solltest dein Kind weder zu anderen Kindern lassen, noch es zum Einkaufen mitnehmen, solange die Haupterkrankung noch ansteckend ist.

Treten die Kruppanfälle auch ohne eine akute Viruserkrankung auf, so besteht keine Ansteckungsgefahr.

Hilfe bei Pseudokrupp – Das kannst du tun

Pseudokrupp vorbeugen – Tipps für Eltern

  • Vor allem bei leichten Kruppanfällen kann die Behandlung zu Hause erfolgen.
  • Das Schlafzimmer sollte gut durchgelüftet sein.
  • Wichtig ist es die Luft und somit die Schleimhäute des Kindes zu befeuchten. Hierfür eignen sich spezielle Luftbefeuchter oder auch ein feuchtes Handtuch auf der Heizung.
  • In der Apotheke kannst du Inhalationsgeräte kaufen.
  • Ist dein Kind noch sehr klein, genügt es die Inhalationsmaske etwas vor das Gesicht zu halten. Zumeist werden diese Geräte mit einer einfachen Kochsalzlösung gefüllt. Es gibt jedoch auch Lösungen mit entkrampfenden Wirkstoffen, welche der Kinderarzt verschreiben kann.
  • Wichtig ist auch die Verabreichung von kühlen Getränken. Sie werden von Kindern als wohltuend empfunden.

 

Schnelle Hilfe bei Pseudokrupp

Bei einem akuten Anfall in der Nacht helfen Cortison-Zäpfchen, da sie stark antientzündlich und abschwellend wirken.

  • Wichtig ist kühle Luft von draußen, die durch ein offenes Fenster eindringen kann, sie lässt die Schleimhäute der Atemwege abschwellen.
  • Zieh dein Baby oder Kleinkind warm an und geh mit ihm in den Garten spazieren oder stelle dich auf den Balkon um kühle Luft einzuatmen.
  • Auch das Öffnen des Kühlschrankes oder der Gefriertruhe kann schnell Linderung bereiten.
  • Bei Fieber und starken Schmerzen kannst du zudem Saft oder Zäpfchen mit den Wirkstoffen Paracetamol oder Ibuprofen verabreichen. Medikamente für Erwachsene sind nicht geeignet.
  • Zudem können bei leichten und mittleren Verläufen Homöopathika eingesetzt werden. In der Anfangsphase wird Aconitum, nachts Spongia und am Folgetag Hepar Sulfuris oder Belladonna empfohlen.

 

Jedoch ist es am wichtigsten die Kinder zu beruhigen. Schnell bekommen sie bei Atemnot Angstgefühle. Diese verstärken die Symptome. Tritt nach einer halben Stunde keine Besserung ein oder handelt es sich um einen schweren Anfall, muss der Notruf abgesetzt werden. Im Krankenhaus wird Kortison intravenös verabreicht und Sauerstoffmangel zudem durch eine Sauerstoffmaske ausgeglichen.

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